Gemeindeaufbau

 

Die Lehren Bahá'u'lláhs legen die Grundstruktur einer Gemeindeordnung fest, die heute von den Bahá'í auf der ganzen Welt umgesetzt wird.  Sie verkörpert ein neues Gesellschaftsmodell, in dem Einzelne keine Machtpositionen einnehmen. An die Stelle der Geistlichkeit – wie in früheren Religionen - treten demokratisch gewählte Gremien, die mehrheitlich entscheiden und für alle Belange der Gemeinde verantwortlich sind. 

Mittelpunkt des Gemeindelebens ist dabei das 19-Tage-Fest, das zu Beginn eines jeden Bahá'í-Monats abgehalten wird und der Andacht, der Beratung in der Gemeinde und der geselligen Begegnung gewidmet ist. In jeder örtlichen Gemeinde wird jährlich ein aus neun Personen bestehender Geistiger Rat als Führungsgremium gewählt, in jedem Land ein Nationaler Geistiger Rat. Die Bahá'í-Weltgemeinde wird durch das Universale Haus der Gerechtigkeit als oberstes, gewähltes Gremium mit Sitz in Haifa, Israel, geführt.

Die Bahá'í-Wahlen stehen in einem religiösen Licht – wie auch die Beratung in den gewählten Gremien. Der eigentliche Wahlvorgang wird durch Gebete eingeleitet und findet mit geheimer Stimmabgabe statt. Im Unterschied zu gängigen Wahlverfahren gibt es weder Kandidatenaufstellung noch Wahlpropaganda.

In den Gremien der Bahá'í-Gemeinde und in den regelmäßigen 19-Tage-Festen wird die Bahá'í-Beratung praktiziert. Jeder Beratungsteilnehmer ist bestrebt, aus dem Zusammentreffen der verschiedenen Meinungen die Wahrheit zu finden. Im Geist der Einigkeit getroffene Mehrheitsentscheidungen werden von allen unterstützt.

Die gewählten Gremien werden beratend unterstützt durch sogenannte Berater/innen, die auf kontinentaler Ebene vom Universalen Haus der Gerechtigkeit ernannt werden. Sie ernennen wiederum zu ihrer Unterstützung die Mitglieder des sogenannten Hilfsamts auf regionaler Ebene. 

In Deutschland besteht ein Nationaler Geistiger Rat seit 1923 - mit Unterbrechung während des Verbots durch die NS-Gewaltherrschaft.

2013 wurde der Bahá'í-Gemeinde Deutschland durch das Land Hessen der Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. Vertretungsorgan der „Bahá'í-Gemeinde in Deutschland K.d.ö.R“ ist der Nationale Geistige Rat.